Prüfen

In der produzierenden Industrie wird vor der Serienfertigung von Bauteilen deren Funktionsfähigkeit und Dauerhaftigkeit an Prototypen ausführlich geprüft. Dadurch werden Fehlerquellen bereits in der Erprobungsphase erkannt. Durch Modifizierung der Konstruktion können Schäden an den in Serie gefertigten Bauteilen vermieden werden.

Anders ist es im Baugewerbe.

Gebäude werden in der Regel nicht in Serie sondern als Unikat hergestellt. Eine experimentelle Überprüfung der Standsicherheit – wie bei den erwähnten Prototypen - wird am fertig gestellten Gebäude nur höchst selten durchgeführt und häufig sind derartige Versuche gar nicht möglich.

Hier kommt es auf eine umfassende Planung vor Beginn der Bauausführung an, da kaum eine Chance besteht, an einem fertig gestellten Bauwerk wesentliche Korrekturen vorzunehmen.

Schon die Zusammensetzung des Planerteams lässt weitere Schwierigkeiten erkennen. Es wird aus Architekten, Ingenieuren und Sonderfachleuten in der Regel nur für ein konkretes Bauvorhaben zusammengestellt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Arbeitsweisen der Teamkollegen untereinander nicht bekannt sind. Durch die nicht geübte Zusammenarbeit der Planer können Koordinierungsprobleme auftreten bzw. Missverständnisse entstehen, die u.U. zu schwerwiegenden Fehlern führen. Gefährlich wird es dann, wenn die Fehler die Standsicherheit des Gebäudes beeinträchtigen und damit Leib und Leben gefährden.

Bei der Bauausführung kommt erschwerend hinzu, dass die Zahl qualifizierter Baufacharbeiter seit vielen Jahren stark rückläufig ist. An- bzw. ungelernte Arbeiter sollen diesen Mangel ausgleichen, leider ist das Ergebnis oft nur unzureichend. Darüber hinaus darf auf den Baustellen das Sprachproblem bei Einsatz ausländischer Arbeiter nicht unterschätzt werden. Dieses Phänomen tritt verstärkt auf.

Als Pendant zu den qualitätssichernden Maßnahmen der produzierenden Industrie wird in Deutschland seit vielen Jahren das „Vier-Augen-Prinzip“ der bautechnischen Prüfung erfolgreich angewendet. Dabei werden die Bauaufsichtsbehörden durch Ingenieure unterstützt, die ihre besondere Qualifikation in ausgewählten Fachgebieten nachgewiesen haben. Die Anerkennung als Prüfingenieur für Bautechnik bzw. als Sachverständiger für die Standsicherheit erfolgt durch die Bauaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes.

Im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens prüft der Prüfingenieur bzw. der Sachverständige unabhängig von Lieferinteressen die Nachweise zur Standsicherheit, zum Schall- Wärme- und Brandschutz sowie zur Gebrauchstauglichkeit der Konstruktionen. Darüber hinaus überwacht er die Ausführung auf der Baustelle durch Stichproben. Das Ergebnis der bautechnischen Prüfung wird durch Prüfberichte dokumentiert, diese werden Bestandteil der Baugenehmigung. Zum Abschluss der Bauüberwachung wird ein gesonderter Bericht erstellt.

Bedauerlicher ist festzustellen, dass die bautechnischen Nachweise zunehmend von mehreren von einander unabhängigen Planern aufgestellt werden. Häufig haben diese Planer nur partielle Kenntnisse der Baumaßnahmen, nicht aber von ihrer Gesamtheit. Der Prüfingenieur ist nur all zu oft der Einzige, der den Überblick über die gesamte Konstruktion und über die bautechnischen Nachweise hat.

In der Regel fehlt auf der Planerseite ein fachkundiger Koordinator, dadurch erhält das „Vier-Augen-Prinzip“ in der Person des Prüfingenieurs eine besondere Bedeutung.

Als Prüfingenieur für Bautechnik und als Prüfer im Eisenbahnbau ist Herr Dr.-Ing. Kobarg seit vielen Jahren für Bauaufsichtsbehörden diverser Bundesländer sowie für das Eisenbahn-Bundesamt erfolgreich tätig. Hervorragendes theoretisches Wissen gepaart mit langjähriger Erfahrung in der Baupraxis und in der Anwendung unterschiedlichster Bauverfahren qualifizieren ihn besonders auch für Ihr Bauvorhaben.